Artikel in der Esslinger Zeitung vom über das Baugebiet „Rosselen“

Legoland in Oberesslingen: Auf den Rosselen ist in den vergangenen Jahren ein buntes Wohnquartier entstanden. Aus Sicht der Stadtverwaltung hat man die Zielgruppe erreicht. Im Neubaugebiet am Ende der Gartenstadt wohnen vornehmlich junge Familien mit Kindern.  (Foto: Franke)
Sie ähneln einer kunter­bunten Lego-Landschaft – die Häuser, die in den vergangenen fünf Jahren auf den Rosselen in die Höhe gewachsen sind. Dass sich Oberesslingen in die Streuobstwiesen ausdehnt, sahen manche Bewohner des Stadtteils gar nicht gerne. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Auch die meisten Kritiker scheinen sich inzwischen mit dem Neubaugebiet arrangiert zu haben.
Von Dagmar Weinberg
„Bei mir sind in der letzten Zeit auf jeden Fall keine Beschwerden mehr angekommen“, sagt der Vorsitzende des Oberesslinger Bürger­ausschusses Ulrich Göpfert. Als die Stadtverwaltung Anfang des Jahrtausends ihre Pläne für fünf neue Baugebiete in Esslingen veröffentlichte, war die Empörung groß – auch in Oberesslingen. Denn damals war ein tiefer Einschnitt in die Streuobstwiesen geplant: Das neue, am Ende der Gartenstadt gelegene Baugebiet sollte sich bis zur Schorndorfer Straße erstrecken. Für den Bürgerausschuss war von Anfang an klar, dass die sogenannten Rosselen II (also das Gelände Richtung Schorndorfer Straße) nicht angetastet werden dürfen. „Die Wiesen sind ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Oberesslinger, und außerdem brauchen wir sie für die Frischluftzufuhr“, unterstreicht Ulrich Göpfert, der schon damals Mitglied im Oberesslinger Bürgerausschuss war und somit das Ja des Stadtteilgremiums zur Bebauung der Rosselen I mitgetragen hat.
Eingriff in die Streuobstwiesen
Natürlich war das Neubaugebiet ein Eingriff in die ökologisch wertvolle Streuobst-Landschaft“, räumt Franz Schneider, Abteilungsleiter im Stadtplanungs- und Stadtmessungsamt, ein. Doch habe die Stadt mit der Ausweisung der Rosselen I als Baugebiet genau jene Zielgruppe erreicht, die sie seinerzeit im Auge hatte: „Es sind überwiegend junge Familien mit Kindern dorthin gezogen, und deshalb hat sich unser Weg im Nachhinein dann auch als richtig erwiesen.“ Insgesamt 45 Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie ein Mehrfamilienhaus stehen inzwischen auf den ehemaligen Obstwiesen. Das Areal ist komplett bebaut. Jetzt fehlt nur noch der Kinderspielplatz.
Dem Stadtplaner gefällt vor allem die bunte Mischung der Gebäude. Damit sich junge Familien auf dem teuren Esslinger Pflaster überhaupt ihre eigenen vier Wände leisten können, „haben wir die Grundstücke relativ klein geschnitten“, erläutert er. Dadurch wuchsen die Häuser in die Höhe und gleichen kleinen Türmchen. „Die Dichte ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber sie sorgt ebenso für Vielfalt, wie die Farbgebung.“ Da sich die Verwaltung mit Gestaltungsvorschriften zurückgehalten hatte, konnten die Bauherren die Fassadenfarbe frei wählen. „In Einzelfällen hätten wir uns zwar etwas mehr Zurückhaltung gewünscht und wir wären froh gewesen, wenn man sich ein bisschen mehr am Nachbarn orientiert hätte. Aber insgesamt sind wir zufrieden.“
„Sieht recht lustig aus“
Auch Ulrich Göpfert, der selber Architekt ist, kann mit der Optik des Neubaugebiets gut leben. „Das sieht doch recht lustig aus. Wenn jetzt noch die Gärten angelegt sind, dann wird das eine nette, harmonische Siedlung.“ Für noch mehr Harmonie sollen nun zwei Spielstraßen sorgen. Nachdem eine Unterschriftenliste von Bewohnern der Rosselen bei ihm gelandet war, machte er sich gemeinsam mit Hermann Sauter, Mitglied im Bürgerausschuss, auf den Weg ins Neubaugebiet. Zwar wird letztendlich die städtische Verkehrskommission entscheiden. „Aber als Bürgerausschuss unterstützen wir den Wunsch, dass nach Abschluss der Bauarbeiten die beiden Sackgassen Narzissen- und Kornblumenweg sowie der Verbindungsweg zum künftigen Spielplatz zu verkehrsberuhigten Bereichen werden“, erklärt Göpfert. Keine Chance hätte bei ihm und seinen Mitstreitern allerdings eine Ausweitung des Baugebiets. „Man muss wachsam sein. Denn ich weiß aus Erfahrung, dass sich immer mal wieder Bauträger darum bemühen, dass weitere Flächen erschlossen werden.“ Doch Franz Schneider winkt ab. „Eine Erweiterung der Rosselen ist für uns überhaupt kein Thema“, versichert er. So gehe es auch bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes nicht um neue Baugebiete, sondern darum, „dass wir die Qualität im Bestand verbessern“.