Artikel in der Esslinger Zeitung vom 14.03.2012 – Bericht von der Bürgerausschusssitzung am 13.03.2013

„Antiquierte Stadtentwicklungspolitik“ 

ES-OBERESSLINGEN: Bürgerausschuss sammelt Argumente zum Flächennutzungsplan – Heftige Kritik an der Verwaltung 

Bis auf einige Mitglieder des Bürgerausschusses fand sich am Mittwochabend niemand, der die im Flächennutzungsplan (FNP) 2030 für Oberesslingen vorgeschlagenen Neubaugebiete lobte. Der Bürgerausschuss Oberesslingen hatte in das Clubheim des VfB Oberesslingen eingeladen, um Meinungen und Vorschläge der Stadtteilbewohner zu sammeln. Rund 30 Oberesslinger nutzten die Gelegenheit und diskutierten engagiert gegen die Rathauspläne. 

Von Gesa von Leesen

Der FNP schlägt im Stadtteil zwei Neubaugebiete vor: eines an der Kreuzstraße mit 142 Wohnungen und eines an der östlichen Hegensberger Straße mit 24 Wohnungen. Kurz nach Veröffentlichung der Pläne hat sich eine Bürgerinitiative gegen diese Neubaugebiete gebildet. Zu Beginn führte Rudolph Spieth vom Bürgerausschuss einige Argumente der Stadtverwaltung für die Neubaugebiete an. Immer mehr Menschen wollten in der Stadt leben, die Stadt wachse. „Wir haben in Oberesslingen das Problem Schorndorfer Straße und wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, erklärte Spieth. Und wenn man Geld vom Land wolle, benötige man eben eine gewisse Einwohnerzahl. Die Rolle des Ausschusses betonte er mit den Worten: „Wir kämpfen für ganz Oberesslingen, nicht für irgendeine Streuobstwiese.“ Damit gab er den Gegnern der Pläne genügend Stoff zum Widerspruch. Der Vorsitzende des Bürgerausschusses Ulrich Göpfert erklärte, man wolle keine Diskussion führen. Vielmehr gehe es darum, Argumente zu sammeln für die Stellungnahme des Ausschusses zum FNP. Die waren schnell beisammen. Vor allem das Gebiet Kreuzstraße erregte die Gemüter. Dort werden Streuobstwiesen zerschnitten und damit eines der beliebten Naherholungsgebiete zerstört, hieß es. „Sollen die Esslinger immer auf den Schurwald fahren, wenn sie mal spazieren gehen wollen?“

Kreuzstraße als Schleichweg 

Wie die bereits aktuell stark belasteten Straßen den zusätzlichen Verkehr, der durch 142 neue Wohnungen entstehe, bewältigen sollen, sei ungeklärt. „Die Kreuzstraße ist schon jetzt ein Schleichweg, das wird schlimmer werden“, so Gerhard Wolf, Mitglied der Bürgerinitiative. Und was sei mit den vielen geschützten Tier- und Pflanzenarten, die die Streuobstwiesen bevölkern? Das Gebiet sei zudem eine wichtige Frischluftschneise für die gesamte Stadt. Ähnlich wurde gegen das Gebiet Hegensberger Straße argumentiert.

Martin Schalhorn, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative, ärgerte sich über Spieth. „Sie sollten nicht so verächtlich über Streuobstwiesen sprechen. Sie gehören zu Esslingen. Die Stadt will überall kleine Ecken abschneiden, in der Gesamtheit nimmt das ein großes Ausmaß an.“ Dass in dem Neubaugebiet bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde, mochten viele nicht glauben. „Das wird nur für gehobene Einkommen bezahlbar“, sagte Sabine Herzog.

Besonders kritisiert wurde die grundsätzliche Argumentation der Stadt, Esslingen brauche die Neubaugebiete, um 90 000 Einwohner zu halten, weil sonst die Strukturen nicht aufrechterhalten werden könnten. Herzog: „Was heißt das konkret? Städte mit 80 000 Einwohnern sind doch auch nicht alle bankrott.“ Angesichts einer auch in Esslingen überalterten Bevölkerung sei zudem zu erwarten, dass viele Häuser in den kommenden Jahren frei werden, hieß es. Man solle Anreize schaffen, wie diese auf den Markt kommen könnten.

Schalhorn ärgerte sich über die Stadt, die gern vom Dialog mit den Bürgern rede, aber die Ergebnisse aus der Stadtstrategie 2027 ignoriere. „Da hatten die Bürger nämlich gesagt, sie wollen kein Wachstum mehr.“ Auf Zuzug in Neubaugebiete zu setzen, sei „eine antiquierte Bevölkerungs- und Stadtentwicklungspolitik, wie in den 1960er-Jahren“.

Kurz ging es um die Aufstiegsstraße Rosselen, die frei gehalten werden soll, um eventuell dort einmal eine Art Umgehungsstraße bauen zu können. Vor allem ältere Mitglieder des Bürgerausschusses fanden das gut, weil damit ihrer Ansicht nach die Schorndorfer Straße entlastet würde. Auch das stieß auf Widerspruch. Ohne Anbindung an die B10 – und die ist nicht möglich – sei diese Straße Unsinn, hieß es. Damit werde Verkehr nur nach Zell verlagert. Außerdem mache man damit die Fahrt vom Schurwald durch Esslingen nur noch attraktiver.